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Drohnendetektion auswählen. Techniken, Kriterien, Kostenfaktoren

Drohnendetektion für Werk, Umspannwerk, Stadion und Justizvollzug. Fünf Techniken, Fehlalarme, Kostenfaktoren und zehn Fragen vor der Auswahl.

Stand 06.09.2026Lesezeit etwa 8 Minuten

Drohnendetektion heißt, Drohnen im Luftraum über einem Objekt zu erkennen, zu orten und zu verfolgen. Im Englischen heißt das drone detection system, im Deutschen auch Drohnenerkennung. Für private Betreiber in Deutschland ist sie der erlaubte Teil der Drohnenabwehr. Stören, Übernehmen oder Abschießen ist seit der Änderung des Luftsicherheitsgesetzes vom 17. März 2026 Aufgabe von Polizei und Bundeswehr. Dieser Artikel richtet sich an Sicherheitsdienste, Werkschutz und Betreiber, die Erkennungstechnik auswählen oder eine Markterkundung vorbereiten. Eine Markterkundung ist eine unverbindliche Abfrage, was der Markt kann, bevor ein Auftrag ausgeschrieben wird.

Funkerkennung hört den Steuerkanal

Die meisten Drohnen sprechen per Funk mit ihrer Fernsteuerung und senden Video zurück. Funksensoren erfassen diese Signale, meist im Bereich von 2,4 und 5,8 Gigahertz. Sie erkennen bekannte Modelle an ihrem Funkmuster. Mit mehreren Antennen peilen sie auch den Standort des Piloten. Wer den Piloten findet, kann die Polizei gezielt hinschicken. Die Grenze liegt bei Drohnen ohne Funkverbindung. Eine vorprogrammierte Drohne oder eine Drohne an Glasfaser sendet nichts und bleibt unsichtbar. In der Ukraine haben wir in Saporischschja 2024 und 2025 gesehen, wie schnell Angreifer auf Glasfaser umstellen, sobald Funkerkennung und Störung greifen. WLAN und Bluetooth erzeugen zudem Fehlalarme. Typischer Einsatz sind Werke, Justizvollzugsanstalten und Veranstaltungen, bei denen handelsübliche Drohnen die Hauptbedrohung sind.

Radar sieht auch stumme Drohnen

Ein Radar sendet selbst und misst das Echo. Es erkennt jedes fliegende Objekt, auch ohne Funk, bei Nacht und bei schlechtem Wetter. Die Schwäche liegt in der Zuordnung. Eine kleine Drohne wirft ein ähnliches Echo wie ein Vogel. Moderne Radare werten deshalb die Bewegung der Rotoren aus und trennen so Vogel und Drohne. Das gelingt nicht bei jeder Entfernung. Radar braucht freie Sicht, Strom und in Deutschland eine Frequenzzuteilung durch die Bundesnetzagentur. Typischer Einsatz sind große Freiflächen wie Umspannwerke, Kraftwerke, Häfen und Flughäfen.

Kamera und Wärmebild bestätigen, Akustik hört um Ecken

Optische Sensoren und Wärmebildkameras liefern das Bild, das ein Mensch bewerten kann. Sie zeigen, ob die Drohne eine Last trägt. Alleine erkennen sie Drohnen schlecht, weil ihr Sichtfeld klein ist und Nebel, Gegenlicht und Dunkelheit sie einschränken. In der Praxis schwenkt eine Kamera dorthin, wo Funk oder Radar etwas gemeldet haben. Sie dient der Bestätigung und der Beweissicherung.

Akustische Sensoren hören das Rotorgeräusch. Sie arbeiten passiv, brauchen wenig Strom und funktionieren ohne Sichtverbindung, auch hinter Gebäuden. Das Fraunhofer IDMT nennt für sein System Reichweiten von 50 bis 200 Metern je nach Umgebungslärm, Stand 13. November 2025. Auf einem Flughafen, in einem Stadion oder an einer lauten Straße bleibt davon wenig übrig. Typischer Einsatz sind kleine, ruhige Objekte und Lücken zwischen anderen Sensoren.

Remote-ID liefert eine Kennung, aber nur bei regelkonformen Drohnen

Remote-ID ist ein Datensignal, mit dem sich eine Drohne selbst zu erkennen gibt. Seit dem 1. Januar 2024 müssen Drohnen der Klassen C1, C2 und C3 in der EU dieses Signal senden. Sie strahlen per WLAN oder Bluetooth ihre Seriennummer, die Betreibernummer, ihre Position und ihren Startpunkt aus. Ein Empfänger liefert sofort eine Zuordnung. Die Grenze ist offensichtlich. Wer eine Drohne selbst baut, das Modul ausschaltet oder ein älteres Gerät nutzt, sendet nichts. Remote-ID erkennt also den Gutwilligen und den Unachtsamen, nicht den Angreifer. Als Ergänzung ist der Empfänger trotzdem sinnvoll, weil er harmlose Flüge sofort erklärt.

Keine Technik allein reicht aus

Jede Technik hat eine blinde Stelle. Funk sieht keine stummen Drohnen. Radar unterscheidet Drohne und Vogel nicht sicher. Kameras brauchen einen Hinweis, wohin sie schauen sollen. Akustik reicht nur wenige hundert Meter. Remote-ID hängt vom Willen des Piloten ab. Ein brauchbares System kombiniert deshalb mindestens zwei Techniken und führt die Meldungen in einem Lagebild zusammen. Anbieter wie Dedrone, Aaronia, Hensoldt, Securiton oder Droniq bieten solche Verbünde an. Die Frage für den Betreiber lautet nicht, welcher Anbieter der beste ist, sondern welche Lücke das Objekt schließen muss.

Fehlalarme bewertet am Ende ein Mensch

Jedes System meldet mehr, als tatsächlich gefährlich ist. Vögel, WLAN-Geräte, der eigene Inspektionsflug und der Hobbypilot am Zaun erzeugen Alarme. Entscheidend ist, wer die Meldung bewertet. Das ist die Leitstelle oder der Schichtführer vor Ort. Er braucht ein klares Bild, eine Meldekette und eine Regel für den Anruf bei der Polizei. Ein System mit fünfzig Alarmen pro Nacht wird nach zwei Wochen ignoriert. Deshalb gehört die Fehlalarmquote im eigenen Gelände zu den wichtigsten Prüfpunkten vor dem Kauf.

Jede Objektart stellt andere Anforderungen

Ein Industriewerk hat viele Gebäude, eigene Funkquellen und oft eigene Inspektionsdrohnen. Hier zählen Funkerkennung mit Pilotenpeilung und ein Register der eigenen Flüge. Ein Umspannwerk liegt frei, unbemannt und weit von der Leitstelle entfernt. Hier zählen Radar, Fernaufschaltung und Wetterfestigkeit. Die Markterkundung von TenneT vom 20. April 2026 nennt ausdrücklich Standorte von Schleswig-Holstein bis Bayern und Plattformen in der Nordsee. Ein Stadion ist laut, voll und nur an wenigen Tagen im Jahr in Betrieb. Hier zählen kurze Aufbauzeiten, Funkerkennung und die Abstimmung mit der Polizei, die die Abwehr übernimmt. Ein Justizvollzug will vor allem Abwürfe verhindern und Piloten finden. Niedersachsen zählte 2021 achtzehn Schmuggelfälle per Drohne und beschaffte danach mobile Detektionssysteme, Pressemitteilung vom 27. September 2022. Für Flughäfen gilt seit dem 17. März 2026 die bundesweite Zuständigkeit der Bundespolizei für Detektion und Abwehr. Betreiber beschaffen dort nicht mehr allein.

Die Kosten hängen an Fläche, Sensoren und Personal

Eine Preisliste gibt es hier nicht, weil jedes Objekt anders ist. Die Größenordnung lässt sich trotzdem nennen. Ein einzelnes Funksystem für Veranstaltungen gibt prosecurity.de 2025 für das Aartos X2 mit deutlich unter 100.000 Euro an. Vernetzte Anlagen liegen laut ki-syndikat.de für Dedrone je Standort im sechsstelligen Bereich bis in den niedrigen Millionenbereich. Den Preis treiben fünf Faktoren. Erstens die Fläche und die Zahl der Sensoren, die sie abdecken. Zweitens die Anbindung an die bestehende Leitstelle und das Alarmmanagement. Drittens Wartung, Software-Pflege und Ersatzteile über die Laufzeit. Viertens das Personal, das rund um die Uhr bewertet. Fünftens die Schulung, damit die Schicht weiß, was sie mit einem Alarm tut. Personal und Wartung übersteigen bei vielen Objekten nach wenigen Jahren den Kaufpreis.

Was eine Markterkundung von Anbietern verlangt

TenneT hat am 20. April 2026 europaweit eine Markterkundung für Drohnendetektion und Verfolgung veröffentlicht. Sie ist ausdrücklich kein Bieterverfahren, sondern eine unverbindliche Marktanalyse mit Fragebogen. Sie gilt als für kleine und mittlere Unternehmen geeignet. Das Muster ist typisch. Ein Betreiber fragt zuerst nach Techniken, Reichweiten im eigenen Gelände und der Anbindung an vorhandene Systeme. Erst danach folgt die Vergabe. Die Ausschreibung des Bundesinnenministeriums für Detektionssysteme an vier Flughäfen vom 4. August 2026 zeigt die andere Seite. Dort verlangte der Bund Referenzen bei Sicherheitsbehörden, einen Mindestumsatz und eine Bankbürgschaft. Wer als Betreiber eine Markterkundung schreibt, sollte Bedrohung, Geländeform, Leitstelle und gewünschte Reaktionszeit benennen.

Zehn Fragen vor der Auswahl

  1. Welche Drohnen erwarten Sie, handelsübliche Modelle oder Eigenbauten ohne Funk?
  2. Welche Fläche und welche Höhe muss das System abdecken?
  3. Welche Techniken kombiniert das Angebot und welche Lücke bleibt offen?
  4. Wie hoch ist die Fehlalarmquote im Probebetrieb auf Ihrem Gelände?
  5. Peilt das System den Piloten oder nur die Drohne?
  6. Wie kommt der Alarm in Ihre Leitstelle und wer bewertet ihn nachts?
  7. Welche Frequenzzuteilung braucht ein Radar an Ihrem Standort?
  8. Welche Daten speichert das System und wie lange, auch mit Blick auf den Datenschutz?
  9. Was kosten Wartung, Software und Ersatzteile über fünf Jahre?
  10. Wer schult Ihre Schicht und wer aktualisiert die Meldekette?

Was das für Betreiber bedeutet

Sie dürfen erkennen, orten, dokumentieren und melden. Die Technik ist verfügbar, die Anbieter sind bekannt. Der Unterschied zwischen einem wirksamen und einem teuren System liegt nicht im Sensor. Er liegt in der Passung zum Objekt und in der Meldekette dahinter. Klären Sie zuerst Bedrohung, Fläche und Leitstelle. Fordern Sie einen Probebetrieb und zählen Sie Fehlalarme. Legen Sie fest, wer wann die Polizei ruft. Dann wird aus Drohnendetektion ein Lagebild, mit dem Ihre Mitarbeiter arbeiten können.

Häufige Fragen

Ist Drohnendetektion für private Betreiber in Deutschland erlaubt?
Ja. Erkennen, Orten, Dokumentieren und Melden sind zulässig. Stören, Übernehmen und Abschießen bleiben Polizei und Bundeswehr vorbehalten.

Reicht ein Funksensor allein?
Für handelsübliche Drohnen oft ja, für vorprogrammierte oder Glasfaser-Drohnen nein. Wer beides abdecken will, ergänzt Radar oder Akustik.

Kann ein Radar Vögel von Drohnen unterscheiden?
Teilweise. Radare werten die Rotorbewegung aus und trennen so viele Fälle. Bei kleinen Zielen und großer Entfernung bleibt ein Rest, den eine Kamera oder ein Mensch klärt.

Was bringt Remote-ID für die Detektion?
Regelkonforme Drohnen der Klassen C1 bis C3 senden seit 2024 ihre Kennung. Das erklärt harmlose Flüge schnell. Angreifer senden nichts.

Wer ist an Flughäfen zuständig?
Seit dem 17. März 2026 die Bundespolizei, bundesweit für Detektion und Abwehr.

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Nein. Wir verkaufen keine Systeme und vertreten keinen Hersteller. Wir helfen Ihnen, Anforderungen zu formulieren und Angebote zu vergleichen.

Quellen

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